Elefantenreiten – Pro und Kontra

26 03 2013

Allein im Nacken eines Elefanten sitzend durch die unbekannte Landschaft streifen und diese aus sicherer Höhe erkunden, dass war so eine Idee, die Karsten für unseren Laos-Aufenthalt hatte. Ein Klischee, wie es durch Fernsehbilder vermittelt und verstärkt wird. Aber der Weg auf den Rücken des Elefanten war mit einigen gedanklichen Barrieren versehen. Und nachdem wir uns intensiv theoretisch und praktisch damit auseinandergesetzt haben – würden wir den Elefantenritt nicht noch einmal machen! “Warum nicht?” wird der eine oder andere fragen.

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Dazu unsere Geschichte:

Am Anfang stand also bei uns die Idee, irgendwo in Laos auf den Elefanten zu reiten. Dann haben wir mit anderen Weltreisenden (Anne & Benny), die sich mit der Thematik in Thailand auseinandergesetzt hatten, ein sehr intensives Gespräch darüber geführt. Die beiden hatten in Lampang, im Elephant Conservation Center viele wichtige Informationen über die althergebrachte Art und Weise, Arbeitselefanten abzurichten, erhalten. Und dabei war u.a. die Kenntnis darüber, mit welchen tierquälerischen Maßnahmen die Mahuts (Elefantentrainer) die Giganten des Tierreiches dem Menschen seit Jahrhunderten gefügig machen, d.h. ihren Willen brechen (Phaa Jaan-Zeremonie). Details dazu findet man z.B. hier. “Aber Pferde werden doch auch geritten und keiner regt sich darüber auf”, dachte und sagte ich. Eine gewisse Unsicherheit bezüglich unseres Unternehmens hatte sich dennoch eingeschlichen. Einige Reiseberichte zur Thematik im Internet verstärkten diese noch.

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Kurz vor Ende unseres Australienaufenthaltes trafen wir auf ein junges Paar aus der Schweiz (Eliane und Cedric). Beide erzählen voller Begeisterung von ihrem dreitägigen Aufenthalt im Elefantencamp von Bodo Jens Förster im thailändischen Mae Sapok. Auf dieses Camp waren sie durch eine Dokumentation im Schweizer Fernsehen (SF unterwegs) gestoßen. Bei meinen Nachrecherchen las ich u.a. einen sehr ausführlichen Artikel in “Die Zeit” (Thailand-Elefanten). Dass Bodo Förster ehemals im Berliner Tierpark als Elefantenpfleger gearbeitet hatte, war ein weiteres vertrauensbildendes Element für dessen Firma “Elephant Special Tours”. Nun konnte es doch noch zum Elefantenreiten bzw. zum Erlernen des Genannten kommen. Aber wir beschränkten uns auf eine 2-Tage-Tour, denn der dritte Tag war den Schweizern schon anstrengend gewesen. Und bei den niedrigen Kosten hier in Thailand fiel der Preis für die Unternehmung sowieso schon aus dem üblichen Rahmen, aber wenn es für eine gute Sache ist …

Schöne Fotos sind trotz aller kritischen Worte, die noch folgen werden, entstanden. Ohne das Elefantenreiten gäbe es sie nicht, das ist uns klar. Aber um die Fotos geht es im Kern der Sache nicht, deshalb veröffentlichen wir sie auch ohne schlechtes Gewissen. Auch auf die Gefahr der Nachahmung.

Der Bestand der asiatischen Elefanten ist gefährdet, ihre Zahl nimmt kontinuierlich ab. In Thailand leben noch ca. 5000 Elefanten, davon 2000 in freier Wildbahn und 3000 als domestizierte Arbeitselefanten. Letztere wurden jahrhundertelang beim Holzeinschlag eingesetzt. Da dieser seit 1989 verboten ist, haben die Elefanten und ihre Mahouts ihre Aufgabe verloren und sind nun wirtschaftlich für den Besitzer nur noch ein Kostenfaktor. Dem versuchen manche Besitzer mit touristischer Vermarktung der Elefanten entgegenzuwirken. Das gelingt mal mehr und oft weniger. Bodo Förster und sein Sohn Roger sind hier jedoch erfolgreich und sichern dadurch zugleich einen gewissen Elefanten-Bestand und die Existenz vieler örtlicher Familien. Das ist sehr lobenswert.

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Die Thematik ist schwierig und wir haben den Eindruck, dass sich die Gelehrten hier streiten können. Wir haben den zweitägigen Training Trip absolviert und hautnah unsere Erfahrungen gemacht.

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Aus unserer Sicht spricht
für das Elefantenreiten:

  • es sichert im Tourismusbereich eine Einnahme, um Elefanten und Mahout-Familie zu ernähren
  • i.d.R. schadet das Reiten dem Elefanten nicht (Reiten im Nacken)
  • mit fachkundiger Unterweisung ist es eine besondere Art, direkten Kontakt mit diesem Riesen der Tierwelt aufzunehmen

Gegen das Elefantenreiten:

  • die eingesetzten ehemaligen Arbeitselefanten wurden alle grausam gequält, um sie gefügig zu machen
  • die benutzte Lenkhilfe (“Elefantenhaken”) erinnert unserer Meinung nach den Elefanten an diese Qualen
  • der Umgang der Mahouts mit den Elefanten wird in Berichten immer wieder kritisiert, angesichts des Bildungsstandes und der jahrhundertealten Gewohnheiten im Umgang mit dem “Arbeitstier” nicht besonders verwunderlich
  • der Elefant ist unserer Ansicht nach kein Reittier, dafür ist er viel zu langsam und behäbig – zu Fuß ist man da schneller!  (es würde ja auch niemand auf die Idee kommen auf einer Kuh zu reiten)
  • Bestandssicherung durch Elefantenreiten erscheint uns nur eine mögliche Lösung des Problems zu sein, keinesfalls die effektivste

Nun haben wir erst einmal Thailand verlassen, haben unser 30-Tage-Visum für Laos im Pass und durchstreifen nun dieses Land – Elefanten werden wir fortan aus der Nähe und aus der Ferne betrachten, jedoch nicht von ihrem Rücken aus.

Viele liebe Grüße senden euch eure Weltenbummler
Denise & Karsten



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4 Antworten zu “Elefantenreiten – Pro und Kontra”

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  • bodo sagt:

    Kühe können schnell sein, täuscht Euch da nicht 😉

  • Antje sagt:

    Ich kann mich der Meinung von lapismont nur anschließen, so hat eben jedes Ding seine zwei oder mehr Seiten! Gruß Antje.

  • lapismont sagt:

    oha. Sehr kritische Worte. Hab ich mir noch nie Gedanken drüber gemacht. Danke dafür!

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